Botanische Raritäten in Trocken- und Magerrasen

Artenreichtum zwischen offenen Felsen am Hemsbacher Alteberg (G. Röhner)

Am Alteberg tritt das kristalline Grundgebirge (Hornblendegranodiorit) zutage, das von einer mehr oder weniger mächtigen Lößauflage bedeckt ist, die durch Erosion stellenweise sehr dünn bzw. vollständig abgetragen ist. Hier treten dann Felsblockpartien zu Tage. Durch das vorhandene Geländerelief können mikroklimatisch erhebliche Unterschiede auftreten, was insbesondere für das Vorkommen verschiedener Pflanzengesellschaften von Bedeutung ist. 

Bedingt durch die in weiten Teilen bestehende Kleinparzellierung hat sich in Verbindung mit wechselnden Nutzungsintensitäten ein kleinstrukturiertes, vielfältiges Gebiet entwickelt. So finden wir Gehölzbestände, Streuobstwiesen, und kleinflächigen Obst-, Wein- und Kleingärten, die von hangparallelen Wegen durchzogen ist. Die von Obstbäumen bestandenen Flächen werden nur wenig oder gar nicht genutzt. Die Nutzungsintensität der bewirtschafteten, zumeist ziemlich steilen, Weinberge ist deutlich höher. In den letzten Jahren fielen jedoch auch eine Reihe von Wingertflächen brach und drohen zu verbuschen.

Das artenreiche Wäldchen auf der Kuppe (Oberer Alteberg) und die es umgebenden Wiesen wurden 2007 auf Initiative der BUND-Ortsgruppe von der Stadt Hemsbach zusammen mit den Wiesen in der Berling erworben. Sie werden zweimal im Jahr von einem Wanderschäfer mit einer Herde Schafe durchzogen und teilweise auch gemäht.

Trotz jahrhundertelanger Nutzung des Altebergs haben sich eine Reihe von naturnahen und halbnatürlichen Elementen erhalten. Am Alteberg konnte eine bemerkenswert hohe Zahl von Pflanzenarten festgestellt werden: Mehr als 375 höhere und Farnpflanzen (20 davon auf der Roten Liste) und 67 Flechtenarten (5 davon auf der Roten Liste Baden-Württembergs) wurden kartiert. Viele dieser Wildpflanzen finden sich in den wenigen Halbtrockenrasen und Säumen, an Lößböschungen und Weinbergsmauern. Einzelne der hier vorhandenen Arten haben sogar landesweite Bedeutung. So galt die Bitterkraut-Sommerwurz (Orobanche picridis) bis zu ihrer Wiederentdeckung 1989 durch Felix Hergenhahn für Baden-Württemberg als ausgestorben, die Elsässer Sommerwurz (Orobanche alsatica) ist auf ein kleines Verbreitungsgebiet mit wenigen Wuchsorten in Mitteleuropa beschränkt.

An Tierarten wurden (um einige wenige Beispiele zu nennen) festgestellt: Dachs, Hermelin, Mauswiesel, Steinmader, Haselmaus, Wendehals, Schwarz- Grau- Klein- und Grünspecht, Neuntöter, Sperber, Habicht, Kuckuck, Gartenrotschwanz, Dorngrasmücke, Pirol, Schlingnatter, Blindschleiche, Zauneidechse, Grasfrosch, Feuersalamander, Erdkröte, 6 Laubheuschrecken-, 2 Grillen-, 1 Dornschrecken- und 7 Feldheuschreckenarten.

Der Altebergbereich ist ein, bis auf wenige Wingerte, wenig intensiv genutzter Teil der Hemsbacher Kulturlandschaft. Bei Nutzungsaufgabe drohen die Grundstücke, wie hier und da bereits geschehen, zu verbuschen. Teile, der auf die menschliche Bewirtschaftung angewiesenen typischen Bergstraßen-Flora und -Fauna würden dann bei uns keine Überlebens-Nieschen mehr finden. Ein Teil der brachgefallenen Grundstücke wurde dem BUND freundlicherweise seit 1985 von den Eigentümern verpachtet und wird seitdem von der Biotoparbeitsgruppe gepflegt. Teile das Gebits sind Bestandteil eines NATURA 2000-Gebietes.

Die Pflegemaßnahmen beziehen sich vor allem auf die Offenhaltung der Grundstücke, Böschungen und Weinbergsmauern. Zu diesem Zweck wird  ein- bis zweimal im Jahr gemäht. In den letzten Jahren wurden auch Esel und Ziegen zur Beweidung eingesetzt.

 

 

Literatur zum Herunterladen:

97_1_Alteberg.doc

40 K


Ihre Spende hilft.

Wir benötigen Ihre finanzielle Unterstützung

Bitte spenden Sie jetzt hier

Suche