Das Naturschutzgebiet Rohrwiesen / Gänswiesen ist ein Rest des ehemaligen Bergstraßen-Neckars und ist noch heute dem Grundwasser nah. Zusätzlich erfolgen Einleitungen aus dem Pumpwerk des Abwasserverbandes, dem Regenüberlauf der Kanalisation Hemsbachs, dem Hemsbach und in das Gebiet geleitete Rinnsale aus dem Bergstraßenhang. Teile des Gebietes stehen in den meisten Jahren zumindest vom Winter bis in den Sommer hinein unter Wasser.
In den fünfziger Jahren letzten Jahrhunderts dehnte sich das Sumpfgebiet noch von fast der heutigen Hemsbacher Richard-Wagner-Straße bis nach Laudenbach und von der Eisenbahnlinie bis fast zur Bergstraße aus. Das NSG Rohrwiesen / Gänswiesen ist somit eines der letzten Relikte der prähistorischen Neckaraue-Landschaft.
Trotz jahrhundertelanger Nutzung des Gebiets hatte sich der Charakter des Sumpfgebiets, insbesondere nach Überschwemmungen erkennbar, nie ganz verloren, was sich auch im Erhalt von typischen Tier- und Pflanzenarten zeigt. Das NSG spiegelte zum Zeitpunkt seiner Unterschutzstellung 1988 in der Vielgestaltigkeit seiner Biotoptypen und -strukturen ein typisches Feuchtgebiet in einem ehemaligen Gewässerlauf wieder. Neben offenen Wasserflächen mit Wasserlinsen- und Schwimmblattgesellschaften, Röhrichten und Großseggen-Rieden, Weidengebüschen und Gesellschaften des Erlenbruchwaldes finden sich ausgedehnte Hochstauden- und Grasfluren. Es stellt durch diese Vielfalt ein gutes Nahrungs-, Brut- und Rückzugsbiotop für zahlreiche Tierarten dar. Hervorzuheben sind vor allem die großen Vogel-, Insekten- und Amphibienvorkommen. Fast 20% der zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung festgestellten Tierarten waren in den Roten Listen der bedrohten Tierarten aufgeführt. Die Unterschutzstellung verfolgt das Ziel diesen Zustand zu erhalten und soweit möglich noch zu verbessern.
Pflegemaßnahmen und -ziele: Seit 1994 werden Pflegemaßnahmen durchgeführt, wodurch vor allem die Verbuschung zurückgedrängt wird, sowie Wasser und Wiesenflächen offen gehalten werden. Zu diesem Zweck wurden in den vergangenen Jahren von der BUND Biotop AG Teilflächen entbuscht, andere einmal im Jahr gemäht. Seit 2006 wird die Pflege von der Mittleren Naturschutzbehörde (Regierungspräsitium) organisiert, wobei langfristig eine Beweidung der Flächen mit Rindern vorgesehen ist und auch zeitweise schon vorgenommen wurde. im Winter 2008 wurden die von der ehemaligen Nutzung als Tier- und Märchenpark übergebliebenen Wildtierstallungen abgerissen und exotische Bäume gefällt. Nach wie vor sind die BUND-Mitglieder Herbert Schwöbel und Gerhard Röhner bei der Koordination der Pflegemaßnahmen einbezogen.